Farben – Spiel – Wirkung – Emotion: 20 Jahre in der Werbung, viele Dutzend Kunden, Hunderte Projekte …

Dass Farben eine Wirkung haben können, weiß ich nicht erst seit meiner Ausbildung zur Werbekauffrau. Auch nicht seit der Entwicklung und Betreuung vielfältigster Corporate Design Manuals, genauso wenig wie seitdem bewussten Einsatz im Privaten. Ich liebe Farben, ich mochte sie schon immer und ich staune immer wieder über ihren Facettenreichtum. Es gibt nicht die eine Farbe, auch wenn sie / ihr Wert definiert ist, dank Farbbestimmungssysteme wie HKS oder CMYK.

Farben wecken Emotionen und mehr …

Farben machen etwas mit uns. Sie erreichen Stellen, wo Musik gar nicht hinkommt. Sie wecken aber nicht nur Gefühle in uns, angenehme oder Unlustgefühle, sie versetzen uns auch in eine bestimmte Stimmung. So ist das klassische seriöse Blau bei uns in Firmenlogos nicht umsonst so beliebt.Es vermittelt dem Betrachter: Hier kannst du vertrauen. Hier weiß man, was man tut – mit deinem Geld (Bank); Versicherung etc.

Doch das funktioniert auch andersherum. Zum Beispiel im Lebensmittelbereich: Bei einer Weinprobe schmeckt der Wein in neutralem Licht locker, leicht. Im blaunen dagagen wässrig. Im roten schmeckt er umso süßer und fruchtiger. Das ist auch der Grund, warum wir rote Äpfel meist als süßer bewerten als grüne.

Die Palette ist breit

Das agressivere Rot lässt kaum einen kalt. Der Sport, Datingagenturen sowie die Schönheitsindustrie nutzen dies gern, aber auch so bekannte Marken wie Coca Cola. Die Aufmerksamkeit ist bei Rot von Natur aus gegegeben. So funktioneren auch Stoppschilder und Warnhinweise.

Und natürlich spielt beim Geschmack der Geruchssinn eine wesentliche Rolle, auch Textur, Aroma, Haptik, sogar das Auditive ist von Bedeutung, wenn es um Essen und Trinken geht. Ein Sinnenerlebnis, das wir oft nur unbewusst in seinen Facetten wahrnehmen. Die Geschmackserwartungen sind individuell, aber auch regioanl oder gesellschaftlich geprägt.Rot etwa wird in Amerika häufig mit Zimt assoziiert.

Bunt ist jung

Kinder sind oft für bunte Süßigkeiten zu haben, erwachsene bevorzugen natürliche Farbgebungen. Sie wissen: Das komtm nicht so nicht in der Natur vor, ist also aufgrund der Farbstoffe nicht gesund. Genetische Präfenzen sind allgemein zu finden: Aversion gegen Bitterstoffe, weil diese Pflanzen oft giftig waren in der Vergangenheit – oder ungenießbar. Süße dagegen mögen quasi alle Menschen. Beispiel für die biologische Sonnhaftigkeit dahinter: Eine reife Banane ist in der Regel gelb, eine unreife grün und nicht süß.

Denken Erwachsene bei rotem Joghurt automatisch an Beerengeschmack, haben Kinder noch weniger Erwartungen an Farbe und Geschmack. Sie probieren gern Neues aus.

In der Werbung

Der Farbpsychologe Harald Braem – mit Ideengeber für die Milka Kuh hat in seinem Buch “Die Macht der Farben”, dargelegt, wie stark wir diese mitunter unterschätzen.
Also unbedingt gut überlegen/ beraten lassen, welche Farbe zu deinem Business passen könnte. Ist deine Zielgruppe wirklich darauf geeicht? Was willst du erreichen und wo kannst du ansetzen?

Grünliches und bläuliches Essen ist in der Natur oft nicht mehr genießbar, so werden Kekse, die diese Farbe haben, auch von Kindern eher verschmäht und es wird den gelben und roten der Vorzug gegegeben. Während Yoghurt eingefärbt den Probanden plötzlich süßer und fruchtiger schmeckt, läst bläulich angestrahltes Fleisch Abscheu aus. Wir schützen uns instinktiv.

Was Farben noch können

Nebeneffekt: Wer blaue Teller benutzt, isst automatisch weniger, so die These. Gelb und Rot regen den Appetit an, und Rot wird sogar gern von Fastfood Restaurants genutzt, weil es zu einem schnelleren Verzehr animieren soll.

Im Verkauf werden an den Fleischtheken rote Strahler genutzt, Kaffeepackungen, die dunkel sind, erscheinen schwerer und voller. Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich also sowohl als Kunde als auch als Anbieter. Wer Farben bewusst einsetzt, wird schnell merken, dass sie einem selbst auch gut tun, Wen das rote Gemälde gegenüber nervt, kann es vielelicht einfach abhängen oder durch eines in beruhigendem Blau oder Grün ersetzen. Wer seine Geschäftspost entsprechend aufbereitet, verschickt sie womöglich mit noch mehr Herzblut und die Kunden – nun, die sollen ohnehin bekommen, was sie möchten: Produkte mit Farben verbunden, die dem entsprechen, was erwartet wird.

In diesem Sinne: good luck und viel Spaß beim Experimentieren.
Eure Barbara

PS. Bei Kleidung herrschen noch einmal andere Regeln.